Webhosting für Agenturen und Freelancer
Wer Websites für Kunden erstellt, braucht professionelle Hosting Lösungen. Agenturen und Freelancer haben besondere Anforderungen: mehrere Projekte parallel verwalten, Kunden Zugriff gewähren, Staging Umgebungen nutzen und zuverlässigen Support erhalten. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Hosting Modelle sich für Dienstleister eignen und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Besondere Anforderungen von Agenturen
Agenturen und Freelancer nutzen Hosting anders als Endkunden, die eine einzelne Website betreiben. Die Anforderungen sind vielschichtiger.
Mehrere Projekte
Ein typischer Dienstleister betreut zahlreiche Kundenprojekte gleichzeitig. Jedes Projekt braucht eigenen Webspace, eigene Datenbanken und oft eigene Domains. Die Verwaltung muss übersichtlich und effizient sein.
Unterschiedliche Anforderungen
Nicht alle Kundenprojekte sind gleich. Ein kleiner Blog hat andere Ansprüche als ein komplexer Online Shop. Die Hosting Lösung muss flexibel genug sein, um verschiedene Projekttypen zu unterstützen.
Kundenzugänge
Kunden möchten oft selbst auf ihre Website zugreifen können, etwa um Inhalte zu pflegen. Die Zugangsverwaltung muss granular steuerbar sein, damit Kunden nur das sehen und bearbeiten können, was für sie relevant ist.
Entwicklungsumgebungen
Staging Umgebungen zum Testen von Änderungen vor dem Go Live sind für professionelle Entwicklung unverzichtbar. Idealerweise lassen sich Änderungen einfach von der Testumgebung auf die Live Seite übertragen.
Hosting Modelle für Dienstleister
Verschiedene Modelle eignen sich für die Betreuung von Kundenprojekten.
Reseller Hosting
Beim Reseller Hosting kaufen Sie eine große Menge Ressourcen und teilen diese auf Unteraccounts für Ihre Kunden auf. Sie treten gegenüber den Kunden als Hosting Anbieter auf und können eigene Preise festlegen. Der eigentliche Infrastrukturbetreiber bleibt im Hintergrund.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Zusätzliche Einnahmequelle | Verantwortung für Kundensupport |
| Zentrale Verwaltung aller Kunden | Ressourcen werden geteilt |
| Eigenes Branding möglich | Abhängigkeit vom Anbieter |
| Skalierbar mit wachsendem Kundenstamm | Technisches Wissen erforderlich |
Managed Hosting
Bei Managed Hosting übernimmt der Anbieter die technische Wartung: Updates, Sicherheit, Backups. Sie konzentrieren sich auf die Entwicklung und Betreuung der Websites. Das spart Zeit und reduziert technische Risiken.
Eigener Server
Ein VPS oder dedizierter Server bietet maximale Kontrolle. Sie konfigurieren alles nach Ihren Vorstellungen und können beliebig viele Projekte hosten. Der Aufwand für Administration ist allerdings höher als bei Managed Lösungen.
Kunden beim Anbieter
Manche Agenturen empfehlen Kunden, selbst ein Hosting Paket zu buchen. Die Agentur erhält Zugang zur Entwicklung und Wartung. Der Kunde ist Vertragspartner des Hosters. Das vermeidet Haftungsfragen und vereinfacht die Abrechnung.
Reseller Hosting im Detail
Reseller Hosting verdient eine nähere Betrachtung, da es speziell für Dienstleister konzipiert ist.
Funktionsweise
Sie erhalten ein Kontingent an Speicherplatz, Traffic, Datenbanken und E-Mail Postfächern. Diese Ressourcen verteilen Sie auf beliebig viele Unteraccounts. Jeder Unteraccount erhält eigene Zugangsdaten und ein eigenes Kontrollpanel.
White Label
Viele Reseller Pakete erlauben White Labeling. Das Branding des eigentlichen Hosters wird durch Ihr eigenes ersetzt. Kunden sehen Ihr Logo und Ihre Kontaktdaten. Das professionalisiert den Auftritt gegenüber Kunden.
Abrechnung
Die Abrechnung gegenüber Kunden organisieren Sie selbst. Manche Reseller Pakete enthalten Billing Systeme, bei anderen nutzen Sie eigene Lösungen. Die Differenz zwischen Ihren Kosten und den Kundenpreisen ist Ihr Gewinn.
Verwaltung mehrerer Projekte
Die effiziente Verwaltung vieler Websites ist eine Kernkompetenz für Agenturen.
Kontrollpanel
Ein gutes Kontrollpanel macht den Unterschied. cPanel, Plesk oder ähnliche Lösungen bieten übersichtliche Oberflächen für die Verwaltung von Domains, Datenbanken, E-Mails und mehr. Die Möglichkeit, zwischen Kundenaccounts zu wechseln, spart Zeit.
Automatisierung
Wiederkehrende Aufgaben sollten automatisiert werden. Cronjobs für Backups, automatische Updates für CMS und Skripte für Standardkonfigurationen reduzieren den manuellen Aufwand.
Dokumentation
Halten Sie für jedes Projekt fest, welche Konfiguration verwendet wird, wo Zugangsdaten liegen und welche Besonderheiten bestehen. Bei vielen Projekten verliert man sonst schnell den Überblick.
Entwicklung und Testing
Professionelle Entwicklung erfordert getrennte Umgebungen für Entwicklung, Test und Produktion.
Staging Umgebungen
Eine Staging Umgebung ist eine Kopie der Live Website zum Testen. Änderungen werden dort entwickelt und geprüft, bevor sie auf die produktive Seite übertragen werden. Das verhindert Fehler auf der Live Website.
Lokale Entwicklung
Viele Entwickler arbeiten zunächst lokal auf dem eigenen Rechner. Die Synchronisation mit dem Server erfolgt per FTP, SSH oder Versionskontrolle. Eine konsistente Entwicklungsumgebung auf allen Rechnern des Teams ist wichtig.
Deployment
Der Übertragungsprozess vom Entwicklungssystem auf den Server sollte zuverlässig und reproduzierbar sein. Manuelle Übertragungen sind fehleranfällig. Automatisierte Deployment Pipelines oder zumindest dokumentierte Prozesse erhöhen die Qualität.
Kundenzugänge verwalten
Die richtige Balance zwischen Kundenselbstständigkeit und Kontrolle ist wichtig.
Zugriffsebenen
- CMS Zugang: Kunde kann Inhalte bearbeiten, aber keine technischen Änderungen vornehmen
- FTP Zugang: Kunde kann eigene Dateien hochladen, etwa für Downloads
- Kontrollpanel: Kunde kann E-Mail Konten und ähnliches selbst verwalten
- Vollzugriff: Kunde hat alle Rechte, auch für technische Konfiguration
Empfehlungen
Geben Sie nur so viel Zugriff wie nötig. Ein CMS Zugang reicht für die meisten Kunden, die nur Inhalte pflegen wollen. Vollzugriff auf das Hosting erhöht das Risiko, dass Kunden versehentlich etwas kaputt machen. Klare Absprachen verhindern Missverständnisse.
Support und Verantwortlichkeiten
Die Aufteilung der Verantwortung zwischen Ihnen und dem Hosting Anbieter muss klar sein.
Was der Hoster übernimmt
- Infrastruktur und Verfügbarkeit
- Hardware und Netzwerk
- Basissicherheit der Server
- Bei Managed Hosting: Updates und Backups
Was Sie übernehmen
- Anwendungssicherheit und Updates
- Konfiguration der Websites
- Support gegenüber Ihren Kunden
- Datensicherung der Inhalte
Support Qualität
Für Agenturen ist schneller, kompetenter Support besonders wichtig. Wenn ein Kundenprojekt Probleme hat, müssen Sie schnell reagieren können. Prüfen Sie die Erreichbarkeit und Qualität des Supports, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Hosting Kosten beeinflussen die Wirtschaftlichkeit Ihrer Dienstleistung.
Kostenmodelle
| Modell | Typische Kosten | Geeignet für |
|---|---|---|
| Reseller Hosting | 20 bis 100 Euro monatlich | Kleine bis mittlere Agenturen |
| Managed VPS | 50 bis 200 Euro monatlich | Mittlere Agenturen mit technischem Anspruch |
| Dedizierter Server | Ab 100 Euro monatlich | Große Agenturen mit hohem Volumen |
| Einzelne Pakete pro Kunde | 5 bis 30 Euro pro Kunde | Flexibles Modell, Kosten beim Kunden |
Kalkulation
Kalkulieren Sie die Hosting Kosten in Ihre Projektpreise oder Wartungsverträge ein. Bedenken Sie auch den Zeitaufwand für Administration. Ein scheinbar günstiges Hosting, das viel manuelle Arbeit erfordert, kann am Ende teurer sein.
Sicherheit bei Kundenprojekten
Sicherheit ist bei der Betreuung fremder Websites besonders wichtig.
Isolation
Kundenprojekte sollten voneinander isoliert sein. Ein Sicherheitsproblem bei einer Website darf nicht auf andere übergreifen. Bei Shared Hosting und Reseller Paketen ist die Isolation durch den Anbieter gewährleistet. Bei eigenen Servern müssen Sie selbst darauf achten.
Updates
Halten Sie alle Systeme aktuell. Veraltete PHP Versionen, ungepatchte CMS oder alte Plugins sind Einfallstore für Angreifer. Automatische Updates oder regelmäßige manuelle Prüfungen sind unverzichtbar.
Zugangsverwaltung
Verwenden Sie starke, einzigartige Passwörter für jeden Zugang. Dokumentieren Sie, wer Zugriff auf welche Systeme hat. Entziehen Sie Zugänge, wenn Mitarbeiter ausscheiden oder Kundenbeziehungen enden.
Skalierung
Mit wachsendem Kundenstamm ändern sich die Anforderungen.
Wachstumspfade
- Vom Shared Hosting zum Reseller Paket
- Vom kleinen zum großen Reseller Kontingent
- Vom Reseller zum eigenen VPS oder Server
- Von einem zu mehreren Servern mit Load Balancing
Wann wechseln
Wechseln Sie die Lösung, wenn die aktuelle an ihre Grenzen stößt. Anzeichen sind volle Ressourcen, Performance Probleme oder zu hoher Verwaltungsaufwand. Planen Sie den Wechsel rechtzeitig, nicht erst in der Krise.
Tipps für die Praxis
- Standardisieren Sie Ihre Projektsetups für effiziente Verwaltung
- Nutzen Sie Versionskontrolle für alle Entwicklungsprojekte
- Erstellen Sie Checklisten für wiederkehrende Aufgaben
- Kommunizieren Sie Verantwortlichkeiten klar mit Kunden
- Investieren Sie in gute Werkzeuge, sie sparen langfristig Zeit
- Bauen Sie Beziehungen zu Ihrem Hosting Anbieter auf
- Halten Sie sich über neue Technologien und Best Practices auf dem Laufenden
Das richtige Hosting Modell hängt von Ihrer Größe, Ihrem technischen Know How und Ihren Kundenanforderungen ab. Beginnen Sie mit einer Lösung, die zu Ihrer aktuellen Situation passt, und wachsen Sie mit Ihren Anforderungen.
Weiterführende Informationen bieten unsere Ratgeber zu mehreren Domains, zu Staging Umgebungen und zum Vergleich der Hosting Arten.
